Springe zum Inhalt

Freundesbrief, 30. März 2021

Gelungene Rekonstruktion eines einmaligen Denkmals

Liebe Freunde der Mühlhäuser Museen,

mit den Einnahmen aus der Tombola des letzten Museumsballs und der Hilfe der Erfurter Restauratorin Heike Glaß sowie der Bildhauerin Astrid Wegerich aus Hüpstedt gelang die Restaurierung und Rekonstruktion eines beeindruckenden Zeugnisses mitteldeutscher Bestattungskultur. Ein Grabmal aus Holz, das ursprünglich auf dem Kirchhof von Divi Blasii stand, wird bald im Themenraum zur Mühlhäuser Industriegeschichte im Kulturhistorischen Museum zu sehen sein.

Dieses Denkmal erinnert an ein schweres Unglück, das sich am 25. Juli 1792 zugetragen hat. Ort des Geschehens war die Seifensiederei der Familie Becherer am Töpfermarkt, der Ostseite des heutigen Untermarktes. Im Sterberegister der Kirchengemeinde St. Georgii ist vermerkt, dass ein J. G. Große an jenem unsäglichen Tag eine Abflussgrube in der Scheune, in die jahrelang Laugen und abgeätzter Kalk hineingeschüttet worden waren, ausschöpfen und reinigen sollte. Durch die giftigen Dämpfe verlor er das Bewusstsein und starb in dem Loch. Bei dem Versuch zu helfen, starben anschließend Vater und Sohn Becherer. Auch einen Tuchmacher aus der Nachbarschaft, ein Meister Müller, ereilte dasselbe Schicksal. Ihm folgte ein zufällig vorbeikommender junger Mann, der auf viel Zureden ebenfalls eine Rettung wagte. Ein sechster Mann, der an einen Strick gebunden wurde, konnte gerade noch rechtzeitig aus dem Loch gezogen werden.

Für drei der Opfer wurde das Grabmal errichtet. Es bestand ursprünglich aus einem stelenartigen Monument mit Inschriften und Reliefs sowie zwei Klagefiguren. Während die noch vorhandenen Teile des mehr als 200-jährigen Denkmals von der Erfurter Expertin Heike Glaß in langwieriger Kleinarbeit wieder restauriert wurden, gelang es der Hüpstedter Bildschnitzerin Astrid Wegerich die im Laufe der Jahrhunderte verschollenen Teile zu rekonstruieren und nachzuschnitzen.

In den nächsten Wochen werden wir das großartige Exponat auch der Presse vorstellen, doch zuvor sollen Sie einen ersten Blick darauf werfen – dies leider erst einmal nur auf dem Papier! Verbunden mit einem großen Dank für Ihre Hilfe und herzlichen Grüßen aus dem Kulturhistorischen Museum, hoffen wir auf ein baldiges Wiedersehen

Ihre

Dr. Michael Scholl
Vorsitzender des Freundeskreises Mühlhäuser Museen

Dr. Thomas T. Müller
Direktor der Mühlhäuser Museen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.